Von historischen Städten wie La Rochelle bis zur spreewaldartigen Sumpfregion
Marais Poitevin erstreckt sich eine Region, die einen attraktiven Mix aus Badestränden, Naturschutzgebieten, ursprünglichen Fischerdörfern und alten Hafenstädten bietet.
Das Gebiet um die Girondemündung ist voller Historie und mit einer Landschaft,
die es über viele Jahrhunderte interessant gemacht hat.
Heute ist es eine beliebte Urlaubsregion und die stummen Zeugen der Vergangenheit
üben noch immer eine große Anziehungskraft aus.
Die dominierende Stadt an diesem Teil der Küste
ist La Rochelle.
Eine Stadt, die von den Hugenottenkriegen
im 17.Jh gezeichnet, fast 300 Jahre brauchte,
um wieder in altem Glanz zu strahlen.
Die Stadtansicht wird geprägt durch die beiden Türme der Hafenbefestigung Tour de la Chaine und St. Nicolas, letzterer kann sogar besichtigt werden.
Weiter hinten am Rand der Altstdt befindet sich der 70m hohe Tour de Laterne.
Wenn man in diese Richtung läuft, kommt man zwangsläufig am Torturm Grosse Horloge vorbei,
der den Eingang vom Hafen zur Altstadt markiert.
Biegt man danach die erste Staße nach rechts ab
und folgt der Rue du Temple,
kommt man geradewegs zum Rathaus,
das Anfang des 16.Jh erbaut wurde.
Ein einzigartiges, von einer Festungsmauer umgebenes Gebäude, das bei einem Brand 2013
so stark beschädigt wurde, daß die Restaurierungsarbeiten noch bis mindestens 2018 andauern. Bis dahin ist das Gebäude komplett verhüllt und nicht zugänglich.
Tipp: Keine 100m Richtung Hafen kann man in der Rue Bletterie 21 im Restaurant L'Albatros gut und preiswert essen.
Am Hafen befindet sich eine weitere Attraktion: Das Aquarium La Rochelle beherbergt mehr als 10000 Arten und bietet für 16 Euro Eintritt allerhand zu sehen.
Allein 16 Haiarten und ein Piranhabecken in einem Amazonastreibhaus sieht man nicht alle Tage.
Idealerweise kann man hier auch gleich das Auto parken, was ansonsten
in der Stadt nicht einfach ist.
Allerdings gilt auch hier: Frühes kommen sichert gute Plätze und bedeutet 10 Uhr
vor Ort zu sein, danach wird es dort sehr schnell sehr voll.
Von La Rochelle bietet sich ein Ausflug zur nahegelegenen Ile de Re an.
Die Insel erreicht man über eine 3Km lange Brücke, die nach Zahlung von 16 Euro passiert werden kann.
Das glamouröse Hauptstädtchen der Insel liegt zentral an der Nordküste und heißt
Saint Martin. Wer einen Hauch von Saint Tropez erleben möchte, ist hier genau richtig.
Tipp: Sehr gut essen kann man am Jachthafen im Restaurant La Belem, was allerdings
nicht ganz billig ist.
Zum Nachtisch empfehle ich 50m weiter die Eisdiele La Martiniere.
Es gibt mehr als 30 Sorten Eis.
Probieren Sie Caramell Fleur de Sel
und Sie werden verstehen,
warum das beste Eis, das Sie je gegessen haben,
genau hier gemacht wird!
Auf dem Rückweg zum Festland sollte man 30min. mehr einplanen, da der Rückstrom von Tagesbesuchern gegen Abend die Brücke zum Nadelöhr macht.
Im Hinterland von La Rochelle befindet sich 50km entfernt eine Sumpfregion,
das Marais Poitevin.
Der feuchte Teil, der unserem Speewald mit seinen hunderten Kanälen sehr ähnelt,
wird Venise Verte, das grüne Venedig genannt.
Tipp: Geführte Bootstouren starten vom Dorf Coulon aus und kosten etwa 15 Euro pro Stunde.
Den Beginn dieser Region markiert die Kleinstadt Niort, dessen Fluss Sevre Niortaise direkt durch den
Marais Poitevin führt.
Die Stadt ist sehr alt und gut erhalten.
Der festungsartige Donjon im Stadtzentrum ist über 30m hoch und kann für 3,50 Euro besichtigt werden.
Ein toller Ausblick über die Dächer der Altstadt sind der Lohn für treppensteigen auf vielen zu engen Stufen.
Tipp: Im Zentrum der Altstadt gibt es viele Restaurants und Cafe`s, am Place les Halles
ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Weniger als 15Km nördlich von Niort kann man eine Festung aus dem 13 Jh. besichtigen,
das Château du Coudray Salbart.
Obwohl die Burg schon etwas verfallen ist,
sind ihre Mauern, Türme und Wehrgänge
noch immer sehr imposant.
Fährt man noch 30min weiter nach Norden, kommt man in Maillezais an den beeindruckenden Ruinen des Klosters vorbei.
Die Abbaye de Maillezais wurde im Hugenottenkrieg 1587 zerstört und danach geplündert, bietet aber noch immer einen Einblick in die monumentale Größe der Anlage.
Rochefort selbst ist leider keine schöne Stadt.
Hier und da sind Spuren einer bedeutungsvollen Historie erkennbar,
z.Bsp. im Marinearsenal mit dem originalgetreuen Nachbau einer Segelfregatte des 18.Jh und
einer Schwebefähre aus dem 19.Jh über den Fluss Charente, aber der Rest ist nicht sehenswert.
Oder die kleine Wasserburg
Château fort de Saint Jean d'Angle
des 14.Jh.
Sie war fast schon eine Ruine, als man sie über 20 Jahre lang liebevoll restauriert hat.
Hier kann man sich zur Besichtigung mittelalterlich verkleiden -ein Riesenspaß für Kinder und Junggebliebene!
Kaum 30 Km entfernt davon steht das
ein Schloss des 15.Jh., welches einen
100 jährigen Dornröschenschlaf
hinter sich hat.
Eine Industriellenfamilie hat sehr viel Zeit und Geld investiert, damit es in altem Glanz aufersteht.
Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung nach Cognac, dem Ursprung des französischen Branntweines.
Die Stadt selbst hat kaum 20000 Einwohner, aber 5 Premiumcognac-Hersteller produzieren hier: Otard, Martell, Henessy, Courvoisier und Camus bieten Verkostungen in eigenen Shops,
sowie gegen Gebühr auch Besichtigungen an.
Bei Otard besichtigt man nicht nur eine Produktions & Lagerstätte, sondern vor allem das Schloß aus dem 11.Jh,
welches eine sehr wechselvolle Geschichte hat, was es für mich interessanter als die Konkurrenz machte.
Die natürliche Südgrenze der Region markiert die Mündung der Gironde mit einer
besonderen Sehenswürdigkeit,
die Eglise Sainte-Radegonde auf einer Klippe am Rand einer kleinen Halbinsel
mit dem Ort Talmont sur Gironde.
Tagsüber leider etwas überlaufen, ist der Ort aber am Abend sehr gut geeignet,
einen typisch französischen Sonnenuntergang zu erleben und den Tag mit einer Flasche Wein ausklingen zu lassen....