Die Bretagne

Weißes Gold und das Kleine Meer

am Ende der Welt

 

 

Die größte Halbinsel Frankreichs ist etwas anders als der Rest des Landes.
Das "Ende der Welt", wie die Römer es nannten, ist wild, romantisch und seine Bewohner leben nicht einfach am Meer, sondern mit ihm.
Steilküsten und Meeresarme, die bis zu 30Km ins Landesinnere vordringen,

erhaltene Altstädte, ein Zauberwald, ein kleines Meer -all das und mehr gibt es hier.
Breizh, wie die Bretonen es nennen, wirkt ein wenig wie ein Land aus einem fiktiven Märchen, mit einer eigenen Kultur, Sprache und Tradition.
Der Legende nach befinden sich zahlreiche Orte der Artussage im Zauberwald von Brocéliande, der als größter Wald der Bretagne in keiner modernen Karte zu finden ist.

 

 

Eine kleine Kostprobe kann man in der Nähe von Elven bekommen: Dort liegt

die Forteresse de Largoët, eine halbverfallene mittelalterliche Burg mitten im Wald

an einem kleinen See.
Die einsame, düster-mystische Kulisse wird im Sommer vereinzelt auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Für 5,50€ kann man jeden Tag von 9-17 Uhr, meist völlig allein und ungestört,

das ausgedehnte Gelände erkunden.

 

 

Ein paar Kilometer weiter in Josselin setzt sich der Eindruck einer Märchenkulisse nahtlos fort. Die kleine Stadt leidet etwas unter der Wucht ihrer dominanten Burg. 

Das Chateau de Josselin, ein repräsentativer Landsitz der Herrscherdynastie Rohan,

ist ohne Zweifel eine Augenweide und enthüllt seine Geheimnisse bei einer Schlossführung

zu einer unerheblichen Gebühr.

Die Stadt steht ihrem Wahrzeichen in nichts nach und präsentiert sich ebenfalls in altem Glanz. Vom Glockenturm der Basilique Notre Dame du Roncier hat man nach einem anstrengenden Aufstieg in einem viel zu engen Treppenaufgang einen grandiosen Ausblick über den ganzen Ort.

 

Etwa 15Km südlich bilden die beiden Orte Malestroit und Rochefort-en-Terre den Abschluß dieses Märchendreiecks.

 

Malestroit ist ein wichtiger Markt für die ländliche Umgebung und liegt am Fluss L'Oust,

der gleichzeitig Kanalverbindung zwischen Nantes und Brest ist. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich die Bedeutung der Wasserstraße für eine kleine Stadt in der Provinz klarzumachen.

Noch heute findet regelmäßig ein großer Wochenmarkt statt, bei dem über Fisch, Fleisch, Gemüse und Obst das komplette Nahrungsmittelangebot von traditionellen Erzeugern

aus der lokalen Umgebung abgedeckt wird.

Auf dem Kanal ist der Ort vor allem ein beliebter Haltepunkt von Hobbykapitänen,

die mit dem Hausboot unterwegs sind.

 

In Rochefort-en-Terre sucht man vergeblich nach geschäftigem Markttreiben.

Die historische Kulisse, die von einem kleinen Schloss mit Park überragt wird, wirkt auf den ersten Blick etwas verschlafen. Nur der Zulauf von Selfie-Pilgerern bringt etwas Leben in den beschaulichen Ort mit der Postkartenidylle im Zentrum.

 

Im südlichen Teil der Bretange, dem Morbihan (bretonisch "Kleines Meer"), dringt das Meer durch eine große, fragmentierte Bucht tief in das Landesinnere ein.
Der Tidenhub beträgt hier fast 10m und so atmet die Natur im Takt von Ebbe und Flut,

was mancherorts sehr eindrucksvoll sichtbar wird und den Austernmuscheln hier eine spezielle Note verleiht.
Leider sehen die Gewässer innerhalb der Bucht immer schlammig aus, weil das Wasser permanent in Bewegung ist.

 

Besondern gut beobachten lässt sich das in Auray, einer alten Stadt am gleichnamigen Fluss.
Wenn man sich abends am überlaufenen Hafen in der Creperie & Bar Le Franklin

diekt neben dem alten Hafen Saint-Goustan niederlässt,

kann man beobachten,
wie sich das Wasser duch die  engen Brückenbögen der alten Pont de Saint-Goustan presst.

Ein Schauspiel, welches sich viermal täglich in wechselder Richtung wiederholt.

Das Restaurant lässt sich das gut bezahlen.
Nicht etwa, dass es hier teurer wäre, nein hier bezahlt man mit Platz für die Aussicht,

denn es ist enger als anderswo und der Service ist bestenfalls genauso unterdurchschnittlich
wie in den benachbarten Restaurants von wo man weniger sieht.

 

In der Nähe von Auray bietet sich die Halbinsel Quiberon für einen Badeausflug an.

Wenn man es über die einzige Straße mit konstant berufsverkehrartigem Rückstau bis zum Nadelöhr an der Beach Bar geschafft hat, steht einer Atlantiktaufe nichts mehr im Wege:

Am westlichen Stand ist das flache Meer lebhaft und windig mit Wellen, 100m östlich gegenüber fast so ruhig wie in einem Teich. 

Etwa 2Km weiter befindet sich eine Klippenküste mit Sandbuchten.

Das berühmte Fotomotiv Arche de Port Blanc findet man ebenfalls hier auf der Westseite.

 

Im benachbarten, etwas größeren Vannes geht es weniger beengt zu.

Der Hafen liegt jenseits der Altstadt und ist im Gegensatz zu dieser nicht weiter interessant.
Zwischen der gotischen Cathedrale Saint-Pierre im Norden und

dem Stadttor Porte Saint Vincent im Süden gibt es allerhand zu sehen.
Bekannt ist die Stadt vor allem für die Remparts, eine französische Parkanlage direkt vor der erhaltenen Stadtbefestigung.
Dazu gehört auch das Lavoirs de la Garenne, ein mittelalterliches Waschhaus

am Bach La Marle, wie sie auch bei uns vor über 500 Jahren noch in jeder Stadt üblich waren.
 

 

Eine weitere Besonderheit findet man im historischen Zentrum am Place Valencia:

An einem Fachwerkhaus

des 15.Jh mit bewegter Geschichte ist an einer Ecke in 3m Höhe eine Skulptur mit

2 Büsten eingebaut.

Ein Mann und eine Frau halten ein Schild mit der Aufschrift:

Vannes et sa Femme.
Abgesehen davon, dass dieses historische Denkmal jedem verheirateten Paar ein Schmunzeln entlocken wird, ist es praktisch zu wissen, das dies ein Brauch ist, der im ganzen Morbihan in vielen alten Städten Verbreitung fand.

Immer mit einem Mann, der den Namen der Stadt trägt und seiner Frau.

 

Tipp: Noch praktischer ist die Pizzaria La Villa Valencia in diesem Haus, die ich sehr empfehlen kann. Eine gute Auswahl an Pizzen, Nudeln und Nachtisch wird zu erschwinglichen Preisen bei schönem Ambiente geboten.

Parken kann man etwa 200m entfernt im Q-Park Vannes Centre an der Rue du 8.Mai 1945.

 

Südlich von Vannes, auf der Rhuys-Halbinsel kann man am Kleinen Meer zahlreiche Meersalzfarmen sehen. In direkter Ufernähe werden zahlreiche künstliche Becken stufenweise trockengelegt, um in großem Stil Meersalz aus dem Wasser zu gewinnen.

Bei Kilopreisen bis zu 5o€ kann man in der Tat von weißem Gold sprechen.
In Souveniergeschäften findet man das Salz in kleinen Stoffbeuteln zu 50 oder 100g

und bezahlt etwas mehr.

https://www.carrefour.fr/p/fleur-de-sel-de-guerande-le-guerandais-3445850020339
Als Mitbringsel eignet es sich aber gut in Konkurrenz zu bretonischen Keksen,

den allgegenwärtigen, in hübschen Blechdosen verpackten Palets und Galettes.

https://www.carrefour.fr/p/biscuits-galettes-de-bretagne-jacques-menou-3337442012276
Nicht zu verwechseln mit dem bretonischen Nationalgericht Galettes Bretones,

einem Buchweizeneierkuchen mit herzhafter Füllung, die man in jedem Restaurant bekommt.
Sie sind jetzt etwas verwirrt? Machen Sie sich nichts daraus, das geht den meisten Leuten so.

 

Neben kulinarischen Feinheiten beherbergt die Halbinsel auch den gut erhaltenen Stammsitz der betonischen Herrscherfamilie Rohan.
Das Château de Suscinio, eine typische, mittelalterliche Burg und ehemaliger Jagdsitz, beherbergt eine umfangreiche Mittelalter -Ausstellung und eine Sonderausstellung zur

Artussage, in welcher der Wald von Brocéliande eine zentrale Bedeutung hat.

Die Eintrittsgebühr von 8,40€ ist absolut angemessen und beinhaltet den Zugang zum weitläufigen Gelände.

 

 

Von hier aus ist ein Ausflug ins 80 Km entfernte Saint-Nazaire keine Frage der Zeit.

Nach einer Stunde Fahrt ist man am berühmten Hafen, der direkt an der Loire-Mündung liegt.
Daneben befindet sich ein großes Werftgelände mit riesigen Trockendocks und einem gigantischen U-Bootbunker aus dem 2. Weltkrieg.

Das große Atlantikdock genau gegenüber war 1942 das Sabotageziel einer britischen Kommandoeinheit (Operation Chariot). Deren erfolgreicher Einsatz hat die Verlegung von großen deutschen Kriegsschiffen verhindert und dadurch den Krieg verkürzt.
Man kann nicht mehr erahnen, dass hier einer der am stärksten verteidigten Atlantikstützpunkte der Kriegsmarine war.

Abgesehen vom völligen fehlen eines historischen Hafenviertels befindet sich vor dem Bunker ein Einkaufszentrum mit Parkplatz und ein großer Kinderspielplatz.

Der Bunker selbst heißt nun Escal'Atlantic und ist eine Location von mehreren Dauerausstellungen, die nichts oder nur wenig mit dem früheren Zweck dieses Bauwerkes

zu tun haben und das Dach ist eine kostenlos zugängliche Aussichtsplattform.

 

 

Wer sich eher für das Meer interessiert, wird 10Km westlich auf der Halbinsel 

Le Croisic fündig.

Hier gibt es ein mittleres Océarium mit vielen liebevoll gestalteten Becken und

als Hauptattraktion einem Haifischtunnel und ein Pinguingehege.

Nicht nur für Kinder geeignet und mit 13,50€ p.P.nicht zu teuer. 

 

Gut essen kann man direkt am etwas überlaufenen Hafen von Le Croisic

in einem der vielen Restaurants. Es ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei!

 

 

Kommen wir nun ins Finistere, dem nordwestlichen Teil der Bretange.

Am Ende der Welt gibt es wirklich grandiose Sehenswürdigkeiten.

Manchmal muss man etwas suchen, obwohl das Bildmotiv durch Kalender und Kataloge

sehr bekannt ist. In der Umgebung von Lorient gibt es gleich 2 Highlights:

 

 

Im kleinen Fischerort Belz, steht mitten im Fluss Étel auf einer kleinen Insel die

Maison de Nichtarguér, ein Wahrzeichen der ganzen Region. 

Das Haus das Hüters des Austernparks ist bei Flut nicht ohne nasse Füße zu verlassen...

Der kleine Ort lebt quasi nur von Fototouristen, die dieses Motiv bestaunen.

 

Unweit des Mündungsbereichs des Flüsschens Laïta liegen etwas versteckt in einem parkartigen Wald die Überreste der Abbatial de Saint-Maurice de Carnoët. 

Die im Jahr 1177 gegründete Zisterzienser-Abtei erlitt nach der Französischen Revolution

das gleiche  Schicksal vieler Klöster in Frankreich: Auflösung, Plünderung, Verwüsung und Steinbruch. Seit 1991 ist das Kloster offiziell ein Monument historique und wurde restauriert.

Heute stehen die Ruinen in einem gepfegten Umfeld und laden zum verweilen ein.

 

Einige Kilometer weiter westwärts konnt man nach Pont-Aven

Der malerische Ort wurde berühmt duch den Maler Paul Gaugin, einem bedeutenden Vertreter des Impressionismus, der ab 1886 mit seiner "Schule von Pont-Aven" hier lebte und weitere Künstler um sich versammelte. Heute ist die kleine Gemeinde völlig überlaufen wie ein Pilgerort und muss noch lernen, diese übergroße Aufmerksamket sinnvoll zu kanalisieren.

 

 

Nur ein kleines Stück weiter befindet sich Concarneau.

Die Heimatstadt von Kommissar Dupin bietet eine Besonderheit: Im Hafen der Stadt liegt die Ville Close, eine seit dem 11.Jh. immer wieder veränderte und erweiterte Festung,

die sozusagen den historischen Ortstkern beinhaltet.

Entlang der zentralen Rue Vauban kommt man an Boulangerien, Cafes, Souveniergeschäften und Boutiquen vorbei

bis zum Place Saint-Guénolé,

der über eine kleine Kirche in einen

Park mündet.

Die Remparts genannten Festungsmauern,

die das Ganze umgeben, sind komplett begehbar und bieten eine herrliche Aussicht auf den Hafen und die Stadt.

Wer auf den Spuen des Kommisars

wandeln will, kann im Restaurant

L'Amiral links neben den Eingang zur

Geschlossenen Stadt essen.

 

Am Stadtrand lohnt das Chateau de Keriolet einen Besuch.

Die einstige Residenz einer russischen Prinzessin wurde im 19.Jh im neugotischen Stil erbaut und ist von einer schönen Parkanlage umgeben.

 

Quimper, die Hauptstadt des Departements,

ist kaum 20Km entfernt von Concarneau.

Die Stadt am Fluss Odet kann mit vielen Sehenswürdigkeiten auftrumpfen. 

Die sehr sehenswerte Altstadt wird von der Cathedrale Saint-Corentin dominiert.

In einem Nebengebäude an der Stadmauer,

dem ehemaligen Bischofspalast, befindet sich

das Bretonische Bezirksmuseum und auf der gegenüberliegenden Flusseite die Präfektur.

Tipp: Eine Querstraße weiter in der

Rue Theodorde le Hars 8 befindet sich das

einzige Parkhaus in der Nähe des Zentrums.

Es ist furchtbar eng für alles was größer

als ein Kleinwagen ist!

Gut essen kann man im indischen Restaurant

Le Mahraja gegenüber vom Fluss auf dem Boulevard Amiral de Kerguelen 43.

Im Zentrum an der Rue du Salle findet man massig Restaurants für jeden Geschmack,

die aber viel enger und meist auch teurer sind.

 

30Km östlich wartet ein weiteres Highlight

auf Besucher: Das Chateau de Trevarez

ist ein Augenschmaus, aber kein Echter.

Dieses Schloss in Renaissanceoptik ist ein

Belle-Epoque Schloss und wurde Anfang des 20.Jh fertiggestellt.

Es gehört somit zu den jüngsten Schlössern

in Frankreich.

Eine Küche im Keller und Aufzüge verbinden praktische Technik der Neuzeit mit der Haptik eines alten Schlosses.

1941 wurde das Schloss vom Stab

der deutschen Wehrmacht übernommen und vermutlich aus diesem Grund im Juli 1944

von der Royal Air Force bombardiert.

Äußerlich sieht man den Schloss nichts mehr an, aber die Aufbauarbeiten im Westflügel dauern noch mehrere Jahre.

Zum Anwesen gehört ein bewaldeter Park mit Quelle und einer kleinen Kapelle.

 

Ebensogut kann man von Quimper 60Km weiter fahren und die Halbinsel Crozon besichtigen.

Durch das bewaldetes Gebiet des Naturpark Amorique kommt man über fantastische Brücken auf die kreuzförmige Halbinsel. Beeindruckende Caps, pittoreske Steilküsten und traumhafte Sandstrände warten darauf, entdeckt zu werden.

Wobei es noch einiges mehr zu entdecken gibt...

Die Landzunge von Landevennec ist gleich in 3-facher Hinsicht interessant:

Das alte und das neue Kloster, sowie der Schiffsfriedhof der französischen Marine.

Die alte Abtei wurde im 5.Jh gegründet und war eines der ältesten Klöster überhaupt.

Nach der Revolution von 1789 wurde es zerstört und aufgegeben.

Die im Jahr 1958 gegründete neue Abtei steht oberhalb am Berg.

In der Bucht nebenan, vor neugierigen Blicken geschützt, liegen seit über 100 Jahren ausgemusterte Kriegsschiffe, die auf ihre Verschrottung warten. Im Internetzeitalter ist das Geheimnis keines mehr und deshalb gibt es viele Besucher, die nur deshalb herkommen.

 

Auf dem Weg zum Höhepunkt der Halbinsel findet man in Crozon eine gute Gelegenheit zur Stärkung. 

Tipp: Im Restaurant l'Aber an der Route de Crozon 10 kann man ausgezeichnet und preiswert Pizza, Gegrilltes und Salat essen.

 

 

Das Kap Pointe de Pen-Hir

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