Die Toskana

Italienisch für Liebhaber

 

Sollte der Begriff Kulturlandschaft einer bestimmten Region zuzurechnen sein, muss man unwillkürlich an die Toskana denken. Eine Landschaft wie von Künstlerhand erschaffen,

wartet darauf, dem Reisenden seine schönsten Seiten preiszugeben.
Für Michelangelo, Botticelli oder Leonardo da Vinci, die allesamt hier lebten,

muss dieser Landstrich ein täglicher Quell der Inspiration gewesen sein.
Anders ist es kaum zu erklären, dass man Kunst, Architektur und Natur so im Einklang erlebt, wie in keiner anderen Gegend.
Auf der anderen Seite ist die Geschichte der Toskana auch eine Familiengeschichte:

Die Medici förderten im 15./16. Jahrhundert gezielt Künstler, schützten Wissenschaftler

vor der Verfolgung durch die Kirche und ermöglichten so ein Mikroklima, in dem Wissenschaft und Kunst ungehindert prosperieren konnten.

 

Im weltlichen und kulturellem Zentrum Florenz kann man diese Einflüsse noch heute

überall sehen: Die Altstadt ist ein einziges zusammenhängendes Open-Air Museum.
Besichtigt man eines der 72 Museen der Stadt, betritt man lediglich den kostenpflichtigen Teil einer großen Ausstellung.
Der Eindruck einer Ausstellungsbesichtigung lässt einen im Stadtzentrum nicht mehr los,

was auch mit den vielen Besuchern zusammenhängen mag, die sich in großer Zahl

zu jeder Tageszeit auf der Piazza della Signoria, Piazzale degli Uffizi oder auf der

Piazza del Doumo einfinden.

Die Besichtigung des beeindruckendem Duomo Santa Maria del Fiore sollte einem 12€ wert sein -genau so viel wie in jeder anderen Kathedrale der Region!
An dieser Stelle kann man die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Eintrittsgebühr für ein Gotteshaus stellen, entscheiden ob man das macht, muss man aber selbst.

 

Ein Besuch der Galleria degli Uffizi kann sich unter den hiesigen Umständen schnell zu einem Tagesprojekt auswachsen.
Die Sammelwut der Medici hinterließ eine Kunstsammlung, so einzigartig, daß heute nur der Pariser Louvre mithalten kann.
Doch bevor man die zweitgrößte Kunstausstellung der Welt besucht, sollte man allerdings im Internet 2 Tage vorher Karten für einen bestimmten Tageszeitraum reservieren.
Das kostet p.P. 21€, kann Wartezeiten von über 2 Stunden ersparen, muss aber nicht.
Organisation ist keine italienische Tugend und planvolles Handeln keine Maxime der Museumsleitung.
Trotzdem ist die Ausstellung absolut sehenswert, wenn auch nicht entspannend zu nennen.

 

 

Für Entspannung kann ein Essen im Ristorante Il Cantastorie in der Via della Condotta 7 kaum 5min. entfernt sorgen.
Schönes Ambiente, preiswertes, gutes Essen und genügend Auswahl warten auf die Gäste.
Eine Nummer teurer, aber keineswegs schlecht ist es im Ristorante The Best Bigallo in der

Via Proconsolo 73R.

 

Nach einer Stärkung steht einem Besuch im Palazzo Vecchio nichts mehr

im Wege.

Nach Zahlung von 10€ Eintritt beeindruckt der Amtssitz der Medici

mit Wandgemälden, Deckenfresken

und dem riesigen Saal der 500.

 

Negativ fällt eine fehlende Klimatisierung auf, angesichts der Kunstwerke mehr als unverständlich und unverantwortlich...

Verkehr und Parken ist in italienischen Großstädten immer ein Negativfaktor.
In Altstädten gibt es oft sogenannte Garagen, die in jeder Hinsicht abenteuerlich sind:
Der Weg dahin, die Art wie eingeparkt wird und der Preis!
Es geht auch kostenlos bei der südlichen Stadtmauer an der Viale Francesco Petrarca

vor dem Porte Romana oder an der Flussuferstraße Lugarno delle Grazie nach der gleichnamigen Brücke.

 

Die beeindruckende Panoramaansicht der Stadt kann man von der Piazzale Michelangelo
auf der anderen Seite des Flusses Arno genießen. Die optimale Zeit dafür ist kurz nach Sonnenaufgang.
Man kann sein Auto auf dem Platz neben der Straße abstellen, braucht kein Parkticket und sieht alles bei optimalem Licht und bar der bald ankommenden Busse und Menschenmassen.
Das auf der anderen Seite der Straße befindliche Ristorante La Loggia öffnet leider erst um 11Uhr und bietet somit keine Möglichkeit, das Ganze mit einem Frühstück zu verbinden.
Florenz, die Schöne, hat ihre Launen und wir müssen damit leben.

 

 

Eine weitere Schönheit befindet sich 50 km südlich: Siena
Die Stadt wirkt auf den Betrachter wie die süße kleine Schwester von Florenz,

sehr Eigen aber ganz die Familie!
Gratis parken kann man bei der Universität Siena auf der Via di Fontanella.
Von dort sind es kaum 500m bis zum Palazzo Publico, dem Zentrum der Altstadt.
Die Besichtigung des unklimatisierten Palazzo kann man als Fan von Wandmalereien und Fresken des 14. Jh. in Betracht ziehen.
Für 9€ Eintritt bekommt man den Saal der 9 und berühmte Fresken in schlechtem oder unvollständigem Zustand zu sehen.
Auf dem muschelförmigen Piazza del Campo davor findet jedes Jahr 2 mal der Palio,

ein traditionelles und spektakuläres Pferderennen statt.
Links vom Palazzo empfehle ich das Eis der Konditorei Naninni, das von den Eltern der Rocksängerin Giana Naninni betrieben wird.

Durch enge Gassen kommt man nach 150m in westlicher Richtung bergauf zum

Duomo die Siena.
Die selbstverständlich kostenpflichtige Dombesichtigung kostet 12€.
Wer ein normales Maß an Vorsicht an den Tag legt, wird auf Straßen nicht bestohlen,

was aber nicht davor schützt, in Geschäften, Museen oder Restaurants ausgeraubt zu werden. Hier sitzen die Gangster an der Kasse, also schön aufpassen!

 

Auf halber Strecke zwischen Siena und Florenz liegt San Gimignano, ein mittelalterliches Kleinod

mit 15 Geschlechtertürmen.
Das "Manhattan der Toskana" hat sich seinen Charme bewahrt, ist aber etwas überlaufen.
Wer einen Parkplatz braucht, sollte vor 10 Uhr

dort sein, die Kapazitäten sind begrenzt.
Die kleine Stadt wartet mit einer erstaunlichen Museendichte auf, mehr als 10 habe ich gezählt.
Von Naturkunde bis Todesstrafen kann alles besucht werden.

 

Im Zentrum an der Piazza della Cisterna kann man zum Beispiel die kostenpflichtige Kathedrale, das Museo Civico und den einzigen öffentlich zugänglichen Turm Torre Grossa besichtigen.
Der Turm kostet 9€ Eintritt und verlangt klaustrophobisch veranlagten Menschen einiges ab:

 

Die Aussichtsplatform erreich man unter einer Glocke kniend durch ein Loch von 50x50cm!
Dafür entschädigt eine 360-Grad Aussicht, die atemberaubend genannt werden kann!

Ein weiteres atemberaubendes Highlight der Toskana ist die Stadt Pisa.
Kaum 20 Km von der Küste entfernt am Arno gelegen, kann man schon von der Autobahn das berühmteste Kirchenensemble Italiens sehen: Der Campo dei Miracoli besteht aus Baptisterium, Dom und dem schiefen Campanile.
Daß zwischen den 3 in Pisaner Romantik errichteten Gebäuden 200 Jahre Altersunterschied liegen, kann man nicht erahnen.
Ebensowenig, wie die fast 950 Jahre des Duomo Santa Maria Assunta, dessen äußere Pracht mit einem oppulenten Inneren konkurriert.

In diesem einen Fall sah ich die 11€ Eintritt als angemessen an,

zumal das Battistero di San Giovanni im Preis inbegriffen ist.
Leider ist auch hier frühes Kommen Pflicht, da man ab 10 Uhr auf dem Campo vor lauter Menschen nichts mehr sieht.
Auf der Via Diotisalvi bei der Universität kann man bis dahin günstig Parkplätze bekommen.

Noch einmal 20 Km nordöstlich befindet sich das Städtchen Lucca, welches ebenso bei keiner Toskanatour fehlen sollte.
Spätestens an der alten Stadtbefestigung sollte man irgendwo parken, denn weiter wird man nicht mit dem Auto kommen. Selbstredend Vormittags,

danach hat es keinen Zweck mehr!
Was die Stadt besonders macht, ist ein Häuseroval mit einem Platz in der Mitte, welches im Kern

ein antikes Amphitheather ist.

Von außen kann man es noch an einigen Stellen erkennen.
Der Piazza dell`Anfitheatro im inneren, welcher durch  4 Tore erreicht werden kann,

besteht überwiegend aus Souveniergeschäften,

Bars und Restaurants.
Die zugegeben außergewöhnliche Aussicht muss man beim Essen mitbezahlen.

Preiswerter und sogar klimatisiert bekommt man besseres Essen im Ristorante Locanda Tre Merli Anfitheatro auf der Via Anfitheatro 15

direkt vor dem nördlichen Tor.

Eine der hiesigen Sehenswürdigkeiten ist übrigens das Museo della Tortura, nur einen Steinwurf entfernt in der Via Fillungo 209. In diesem mittelalterlichen Foltermuseum ist Gruselatmosphäre garantiert.

Ein weniger gruseliges Erbe aus antiker bis frühmittelalterlicher Zeit liegt im Süden der Toskana: In einer abgelegenen Gegend befinden sich, durch Hohlwege miteinander verbunden, etruskische Städte.
Auf Plateaus, von Schluchten umgeben, stehen Orte wie Sorano oder Pitigliano und weisen noch immer ein sehr mittelalterliches Erscheinungsbild auf und lohnen schon allein wegen der ungewöhnlichen Lage oder der Repräsentationsbauten der Herrscherfamilie Orsini einen Besuch.

 

Vom äußersten Süden geht es nun zum äußersten Norden der Toskana hinaus nach Ligurien.
Charakteristisch für diese Region sind auf Hügel gebaute, alte Dörfer mit bunten Häusern.
Von Carrara an kann man sich an etlichen davon entlang der Autobahn nach Norden kaum sattsehen.
Über die alte Hafenstadt La Spezia führt eine gewundene Küstenstraße zum Highlight

der Region.

Die Cinque Terre sind ein Bund von 5 Dörfern an der Steilküste, die nur mit dem Schiff, dem Zug oder über einen abenteuerlichen Rundwanderweg erreicht werden können.
Von weitem schon kann man vom Meer aus die bunten, pittoresk in Berghänge gebauten, verschachtelten Häuser sehen.
Das Ensemble gehört zu einem geschützen Naturpark und seit 1997 auch zum UNESCO Weltkulturerbe.

 

Da hier nichteinmal die stets präsenten Motorroller fahren dürfen, ist es schwierig,

mit dem Auto von Ort zu Ort zu kommen.
Am besten das Auto auf einem Parkplatz oberhalb von Maranola abstellen,

Parkticket mit Fz-Kennzeichen lösen und entspannt in den Ort hinuntergehen.

An der Hauptstraße führt ein Tunnel zum außerhalb gelegenen Bahnhof.
Im Biglietteria genannten Ticketbüro kann man eine Tageskarte für 16€ kaufen

und ist aller Mobilitätssorgen entledigt. Züge fahren alle 20 Minuten in beide Richtungen.
Wer jemals Italien in vollen Zügen erleben will, sollte keinesfalls vor dieser Erfahrung

halt machen!
Einen Sitzplatz bekommt man nicht immer, aber die Fahrzeit zum nächsten Ort

beträgt nur 2 bis 3 Minuten.
Diese für italienische Verhältnisse ungewohnte Präzision erscheint angesichts fehlender Komplikationen völlig verwirrend und so muss man aufpassen, in derlei Gedanken versunken, nicht weiter zu fahren als man will.

Meine erste Station war Vernazza, für mich der fotogenste Ort von allen.
Das belebte Zentrum befindet sich direkt am Hafen an der Piazza Marconi zwischen einer Burg und der Kirche Chiesa di Santa Magherita di Antiochia.

Etwas oberhalb davon, durch die Weinberge, verläuft ein Rundwanderweg, der die 5 Orte miteinander verbindet. Von hier hat man eine Postkartenaussicht auf den Ort,

die sich die Gemeinde und -Parkverwaltung mit 7,50€ gut bezahlen lässt.

Das kleine Kartenhäuschen auf dem Weg ist eine Bastion der Gebürenmafia,
welche nur mit Ticket passiert werden kann.

Wenn man sich sattgesehen hat, kann es zum nächsten Ziel weitergehen.
In meinem Fall war das Riomaggiore, eine weitere Perle im Süden der Cinque Terre.
Nach nur 5 Minuten mit der Regionalbahn ist man vor Ort.
Riomaggiore besteht aus einer Straße zwischen 2 mit den typischen bunten Häusern bebauten Berghängen.
Am Ende der Via San Giacomo befindet sich eine schmale Hafenrampe mit der bekannten Postkartenansicht des Ortes.
Von hier kann man ersteinmal sehen, wie steil die Häuser in beide Hänge gebaut sind.
Ganz mutig-sportliche Menschen wird das sicher nicht davon abhalten, über steile,

schmale Treppen den Aussichtspunkt am nördlichen Hang,

die Burg Castello di Riomaggiore  zu erklimmen.
Sehr wahrscheinlich kann man von hier oben, abseits des Trubels unten im Zentrum, einen schönen Sonnenuntergang beobachten.
Essen war ich hier nicht, aber ich kann im Nachbarort Manarola die Trattoria La Scogliera
an der Hauptstraße Via Renato Birolli 103 sehr empfehlen:

Flotte Bedienung, sehr gutes, fischlastiges Essen und preiswert.
Ich finde, 3 Orte an einem Tag kann man schaffen, alle 5 sind für einen Tagesausflug

aber zu viel.
Monterosso und Corniglia werde ich mir beim nächsten Mal anschauen.

 

Wer jetzt Lust auf die ligurische Küste bekommen hat, sollte unbedingt nachlegen.

Kaum 30 Km nördlich der Cinque Terre liegt die mondäne Küstenstadt Rapallo.

 

Gleich nebenan das kleine, noch mondänere Santa Magherita Ligure und daneben Portofino, Tummelplatz für wirklich Reiche.

Elegante Villen entlang des Küstenstreifens stehen für ein Dolce Vita, in dem Geld

keine begrenzte Resource darstellt.

Die bequemste Möglichkeit hierher zu kommen, ist mit dem Ausflugsschiff,

welches stündlich von der Strandpromenade in Rapallo startet.

13€ müssen pro Person für ein Ticket mit Retoure entrichtet werden.
Leider ist durch Touristen, welche mit der eigenen Jacht anreisen, das Preisgefüge in Portofino sehr in Schieflage geraten.
Ein Eis im Straßenverkauf stellt mit 9€ nur das untere Ende der Preisspanne dar!
So beschränkt sich ein Ausflug ohnehin auf die Besichtigung des sehr schön an einer Bucht gelegenen Ortes der von 2 Kirchen beiderseits der Bucht flankiert wird.

Etwas weiter südlich der Chiesa San Giorgio thront auf einem Berg
das Castello Brown, eine Villa in einer ehemaligen Burganlage, die gegen 5€ Eintritt besichtigt werden kann.

Die Aussicht von der Terasse ist das Geld mehr als wert, zumal man den Ausblick relativ ungestört genießen kann.
Der Genuß sollte spätestens 18 Uhr beendet sein, wenn man sich auf dem letzten Schiff einfindet, das Portofino verlässt.
Bevor man herausfinden muss, was ein Hotelzimmer hier kostet...

 

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